Von Agadez nach Thüringen: Wo Europas Grenze wirklich beginnt

Wer über Fluchtrouten nach Europa nachdenkt, hat meist das Mittelmeer vor Augen – oder in diesem Sommer die Bilder aus Ceuta, wo binnen weniger Tage rund 60.000 Menschen die Grenze überquerten und mindestens 86 dabei starben. Doch Europas Grenze beginnt oft tausend Kilometer früher: mitten in der Sahara, in Städten wie Agadez im Niger.
Seit die EU 2015 dort auf ein Anti-Schleuser-Gesetz drängte, wurde eine jahrhundertealte, legale Transportökonomie der Tuareg über Nacht kriminalisiert – mit drastischen Folgen: Arbeitslosigkeit, gefährlichere Ausweichrouten abseits sicherer Brunnen, mehr Tote und Vermisste. Grenzabwehr, lange bevor Menschen das Mittelmeer überhaupt erreichen.
Alarmephone Sahara nimmt Fluchtnotrufe in der Wüstenregion entgegen, dokumentiert Vermisstenfälle und macht sichtbar, was zwischen Grenzabwehr und Nothilfe in der Sahara tatsächlich passiert. Zu Gast sind Azizou Chéhou, Koordinator von Alarmephone Sahara, ggf. Moctar Dan Yayé, Öffentlichkeitsbeauftragter der Organisation, sowie Hans-Georg Eberl vom Netzwerk Afrique-Europe-Interact.
Berichte direkt aus dem Niger machen spürbar, wie weit die europäische Grenzpolitik vordringt und wie sehr sie das Leben vor Ort beeinträchtigt. Im Mittelpunkt des Abends steht der gemeinsame Austausch:
- Wie wird Migrationsabwehr hier vor Ort diskutiert und legitimiert?
- Welche Verbindung besteht zwischen lokalen und europäischen politischen Entscheidungen?
- Wo liegen politische Verantwortlichkeiten?
- Wie sehen Alternativen zu einer zunehmend externalisierten Grenzpolitik aus?
Ein Abend für alle, die sich für Flucht, Migration und europäische Politik interessieren – und für alle mit eigener Fluchterfahrung.
Eine Veranstaltung des DGB-Bildungswerkes Thüringen e.V. – anerkannter Bildungsträger der Bundeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit dem Projekt CoRa – Contra Rassismus des Flüchtlingsrat Thüringen e.V.
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Kostenfrei
